Ein Jahrhundert Fußball-Club Immenstadt 07

Pionier des Fußballsports im Allgäu

 

In den Gründerjahren unseres Vereins existierten erst wenige fußballtreibende Teams, so dass sich für den FCI als einem der Pioniere des Fußballs im Allgäu zunächst nur wenige Spielpartner anboten. Das erste Match sah den gleichfalls 1907 gegründeten FC Memmingen als Gegner, dem sich in der Folge Mannschaften aus Lindenberg, Landsberg und Kaufbeuren anschlossen. Überhaupt kann erst ab dem Jahre 1925 von einem geordnet organisierten Spielbetrieb berichtet werden. Die B-Klasse, in die der FCI eingegliedert wurde, bestand damals aus nur sechs Vereinen: neben den „Städtlern“ aus den Teams von Dietmannsried, Sonthofen und Weiler sowie den 2. Mannschaften der bereits höherklassigen VfL Kempten und FC Lindenberg.

 

Die Punktspiele wurden im Herbst ausgetragen; die Entscheidungsspiele mit den Siegern der anderen Spielgruppen um den Aufstieg in die A-Klasse fanden im Frühjahr des darauf folgenden Kalenderjahres statt. An diesen Aufstiegsspielen konnte der FCI zwar mehrmals teilnehmen, scheiterte jedoch in „schöner“ Regelmäßigkeit, bis im Jahre 1929 endlich der große Wurf gelang und man vor dem FC Oberstdorf zunächst die Meisterschaft in der B-Klasse und im folgenden Frühjahr die Qualifikation zur A-Klasse schaffte.

 

Trotz Meisterschaft keine rosigen Zeiten

 

Die „Goldenen Zwanziger“ waren aber durchaus keine goldenen Zeiten für die Immenstädter Fußballer. Die dramatische wirtschaftliche Misere im Deutschland der „Weimarer Republik“ spiegelte sich naturgemäß auch in Form schwindsüchtiger Vereinskassen wider. Die allgemeine Finanznot führte 1928 gar dazu, dass für einige Monate der gesamte Verbandsspielbetrieb ausgesetzt werden musste und die Allgäuer Vereine traten – um Reisekosten zu sparen – dem neu aufgestellten, geographisch günstigeren Fußballkreis „Bodensee – Vorarlberg“ bei. Sogar der umjubelte Aufstieg 1929/30 hatte prompt auch seine Schattenseiten: Die phänomenale Meisterschaftsprämie von einer Schachtel Zigaretten pro Kicker, aber insbesondere die in der höheren Spielklasse notwendig gewordene – beim FCI erstmalige (!) – Anstellung eines Trainers stürzte den Verein kopfüber in die Verschuldung.

 

Aber auch auf und neben dem Platz war nicht alles im Lot: So bedurfte es zur Aufrechterhaltung der Disziplin eines energischen Ordnungsrufs der Clubleitung, wonach das Rauchen und Trinken ab Mitternacht vor dem Spiel unter Strafandrohung untersagt wurde. Und während eines der ohnehin stets hochexplosiven Derbys gegen die ungeliebten Nachbarn aus Sonthofen traten bezüglich der neu eingeführten Abseitsregel unüberbrückbare „handfeste“ Meinungsverschiedenheiten auf, die prompt zum Spielabbruch führten und anschließend für lange Jahre die ohnehin von Anfang an belasteten Beziehungen beider Vereine völlig zum Erliegen brachten.

 

Politik auch im Verein: Abspaltung der „Freien“

 

Die politischen Turbulenzen der dreißiger-Jahre machten auch nicht vor den Türen des FCI-Clublokals halt. So spaltete sich in diesen Zeiten politischer Wirren ein weltanschaulich anders orientierter Zweig vom „bürgerlichen“ Stammverein ab und gründete eine „Freie Spiel- und Sportvereinigung“. Der dadurch entstandene sportliche Aderlass für den Rest-Club war zu groß, so dass man unweigerlich wieder den Weg in die niedrigere Klasse antreten musste. Fortan trug man in der – wieder einmal – neu gegliederten Verbandsorganisation das Schicksal einer „Fahrstuhlmannschaft“ zwischen 1. und 2. Kreisklasse Allgäu, obwohl nach der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten die „Freien“ prompt verboten wurden und man wieder alle Immenstädter Fußballkräfte im FCI bündeln konnte. Der letzte Wiederaufstieg trug schließlich keine großen Früchte mehr, da die „Kriegsmeisterschaft“ nach zwei Runden beendet werden musste.

 

Explosive Derbys und Etablierung in der A-Klasse

 

Nach Kriegsende nahmen die Immenstädter Fußballer – zunächst unter dem Pseudonym „Sportclub“ – als erste im Oberallgäu wieder den Spielbetrieb auf. „Premieren-Gast“ war am 8. September 1945 eine polnische Lagermannschaft aus Sonthofen, erster Vereinsspielpartner der ASV Hegge. Bis 1949 gehörte man der untersten Spielklasse an und musste in dieser Zeit den steilen Aufschwung der ungeliebten Konkurrenz aus Sonthofen erleiden. Was übrigens nicht immer nur leise zähneknirschend zur Kenntnis genommen wurde. So brachten eines Derbytages die vermeintlich allzu offensichtlichen Sympathien eines Schiedsrichters für die Sonthofener Gäste die Volksseele derart zum Kochen, dass man den „Schwarzkittel“ handgreiflich nötigte, seine Körperpflege nach dem Spiel statt in der Kabine im nahen Hochrainebach zu verrichten…

 

Die Saison 1955/56 bescherte endlich den lang ersehnten Aufstieg in die A-Klasse. Zum sportlichen Wert dieses Ereignisses sei angemerkt, dass es in Schwaben dazumal nur drei A-Klassen (statt heutzutage sechs „Kreisligen“) gab und die A-Klasse Süd nicht nur das südliche Allgäu, sondern den Bereich von ganz Südschwaben umfasste (z.B. von Memmingen und Türkheim bis Kaufering und Landsberg). Dem Freudenfest folgte aber schon bald der große Katzenjammer: ausgerechnet im darauf folgenden Jubiläumsjahr 1957 ging es postwendend wieder nach unten. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg 1959 etablierte sich der FCI schließlich für fast ein Vierteljahrhundert in der A-Klasse, unterbrochen von einem zweijährigen Intermezzo in der B-Klasse 1966 bis 1968.